16.12.2024

Bedürfnisgerechte Betreuung in den Tagesstrukturen: Chancen und Herausforderungen

Am Mittwoch, 4. September 2024, blieben die Tagesstrukturen erstmals nach 14 Jahren während der Schulzeit geschlossen, um allen Mitarbeitenden einen Weiterbildungstag zu ermöglichen. Das Thema der Weiterbildung war die bedürfnisorientierte Betreuung.

Was bedeutet „bedürfnisorientiertes Betreuen?“
Bedarfsorientierte Betreuung erkennt und unterstützt die grundlegenden Bedürfnisse der Kinder, während klare Regeln beibehalten werden. Das Team beobachtet, um unausgesprochene Bedürfnisse zu identifizieren, wie etwa das Bedürfnis nach Bewegung oder sozialer Zugehörigkeit. Es ist wichtig, zwischen echten Bedürfnissen und situativen Wünschen zu unterscheiden. Durch Beobachtungen und Kommunikation kann das Team herausfinden, was die Kinder wirklich brauchen und ihre Wünsche in den Tagesablauf integrieren, um ein Gleichgewicht zwischen individuellen und Gruppenanforderungen zu schaffen.

Bedürfnisse erkennen und verstehen: Ein Balanceakt
Im Betreuungsalltag ist es eine Herausforderung, die Bedürfnisse jedes Kindes zu erkennen. Oft zeigt sich hinter jedem problematischen Verhalten ein unerfülltes Bedürfnis. Ziel ist es, diese gemeinsam mit den Kindern zu benennen und konstruktiv darauf einzugehen. Wobei einfühlsame Kommunikation und die Einbeziehung der Kinder wichtig ist. Dabei muss auch bedacht werden, dass nicht jedes Bedürfnis um Betreuungssittig Platz finden kann und die Bedürfnisse der Betreuungsperson ebenso berücksichtigt werden muss, um empathisch auf Kinder einzugehen.

Die Realität im Alltag: Bedürfnisorientierte Betreuung in grossen Gruppen
Die Umsetzung der bedürfnisorientierten Betreuung ist in der Praxis nicht immer einfach, besonders bei grösseren, altersgemischten Gruppen. Ein Beispiel: Ein Kind hat Hunger, aber das gemeinsame Essen ist erst in zehn Minuten. Hier gilt es, das Bedürfnis des Kindes anzuerkennen und gleichzeitig die Gruppe nicht aus den Augen zu verlieren. Eine Lösung könnte sein, das Kind in die letzten Vorbereitungen einzubeziehen, was Wertschätzung zeigt und das Kind aktiv beteiligt. So lernen sowohl Team als auch Kinder, dass Bedürfnisse wichtig sind, aber nicht immer sofort erfüllt werden können. Kommunikation auf Augenhöhe und Wertschätzung sind dabei zentral, um ein Gefühl der Zugehörigkeit und Sicherheit zu fördern.

Missverständnisse und Grenzen der bedürfnisorientierten Betreuung
Die Weiterbildung verdeutlichte, dass Bedürfnisorientierung kein Freifahrtschein ist. Es bedeutet nicht, jedes Bedürfnis sofort zu erfüllen oder nur die Bedürfnisse der Kinder zu berücksichtigen. Vielmehr geht es um ein ausgewogenes Verhältnis und die Wahrung von Grenzen. Ein bedürfnisorientierter Ansatz schafft eine Struktur, in der sowohl die Bedürfnisse der Kinder als auch der Betreuungspersonen anerkannt werden. Missverständnisse können zu Konflikten führen, weshalb das Team klare Regeln und ein stabiles, vertrauensvolles Umfeld betont.

Was lernen Kinder und Betreuer durch eine bedürfnisorientierte Betreuung?
Ein wichtiger Aspekt dieser Betreuung ist die Förderung des Selbstbewusstseins und der Selbstwirksamkeit der Kinder. Sie lernen, dass ihre Bedürfnisse ernst genommen werden, was ihr Selbstvertrauen stärkt und ihre Fähigkeit, Lösungen zu finden, fördert. Gleichzeitig entwickeln sie Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse anderer. Die Betreuungspersonen lernen, sich in die Perspektive der Kinder hineinzuversetzen und die dahinterstehenden Bedürfnisse zu erkennen, was die Beziehung stärkt, und ein respektvolles, empathisches Miteinander fördert.

Fazit: Bedürfnisorientierte Betreuung als Grundhaltung
Bedürfnisorientierte Betreuung ist eine flexible Haltung, die Empathie und reflektiertes Handeln erfordert. Sie berücksichtigt die Individualität jedes Kindes und dessen Bedürfnisse, ohne das Wohl der Gruppe zu vernachlässigen. Es geht darum, hinter Verhaltensweisen die Bedürfnisse zu erkennen und respektvoll zu handeln.